Die Granate
Wer Granat hört meint oft die mit roten Steinen besetzten Diademe oder Ohrringe aus Großmutter’s Schmuckkästchen. Dieser aus Böhmen kommende, Pyrop genannte, Granat wird seit alters her zu Schmuck verarbeitet. Er ist schon seit der Antike bekannt und erlebte seine erste Blütezeit bereits im frühen Mittelalter. So sind unzählige Grabfunde mit Granatschmuck aus der Merowingerzeit bekannt, ja Granatschmuck prägt geradezu die Zeit der Völkerwanderung. Und das, obwohl der Pyrop an sich eigentlich absolut farblos ist. Dazu aber später.
Nun ist Granat nicht gleich Granat. Granate bilden vielmehr eine ganze Gruppe von verschiedenen Mineralienarten, die wiederum zahlreiche Varietäten bilden. Daraus resultiert auch, dass Granate eben nicht nur rot sind, sondern vielmehr das ganze Spektrum an Farben, mit Ausnahme des reinen Blaus, abdecken.
Zur Mineralogie der Granate. Wie oben erwähnt umfassen sie viele Mineralienarten, und vom begrifflichen Prinzip her ist ein Pyrop und ein Spessartin genauso wenig miteinander verwandt wie ein Beryll mit einem Korund. Alle vier stellen verschiedenen Mineralienarten dar. Tief im Inneren allerdings sind Pyrop und Spessartin aber doch nicht so verschieden. Sie werden durch Gemeinsamkeiten zusammengehalten, wie sie allen Granaten zu eigen ist. So gehören alle Granate (bis auf den seltenen Henritermierit) dem kubischen Kristallsystem an (wie Diamant übrigens auch). In der Regel dominieren dabei zwei Kristallformen: das 12-flächige Rhombendodekaeder und das 24-flächige Ikositetraeder. Typisch dabei ist die Bildung fußballartiger Kristallformen.
Granate gehören zu den Inselsilikaten (Neosilikate), wobei immer drei SiO4-Gruppen eine ‚Insel’ bilden. Die allgemeine Strukturformel der Granate ist X3Y2[ZO4]3, wobei letzteres fast immer SiO4 (Silikat)-Gruppen sind. X ist dabei meist Magnesium, Eisen, Mangan, oder Kalzium, Y z.B. Aluminium, Eisen oder Chrom. Insgesamt gibt es 22 Granate, einige davon sind nur hypothetisch bekannt und sind in der Natur (noch) nicht gefunden. 16 dieser Granate sind von der International Mineralogical Association (IMA) als eigenständige Minerale offiziell anerkannt.
Wichtige, auch als Edelsteine bei der Schmuckherstellung Verwendung findende Granate und ihre Varietäten, sind:
Pyrop (Mg3Al2[SiO4]3): als reines Mineral farblos, durch Beimengungen von Eisen aber allochromatisch dunkelrot gefärbt.
Almandin (Fe3Al2[SiO4]3): durch das Eisen in der Strukturformel idochromatisch tiefrot gefärbt, oft mit Violett-/Braunstich.
Spessartin (Mn3Al2[SiO4]3): durch Mangan orange gefärbt (‚Mandarin-Granat’).
Grossular (Ca3Al2[SiO4]3): als reines Mineral farblos, mit den Varietäten Hessonit (durch Eisen zimtbraun bis pfirsichfarben gefärbt) und Tsavorit (durch Chrom grün gefärbt).
Andradit (Ca3Fe2[SiO4]3): als reines Mineral farblos mit der grünen Varietät Demantoid und dem honiggelben Topazolith, beide erhalten durch Beimengungen von Chrom ihre Farbe.
Uwarowit (Ca3Cr2[SiO4]3): durch das Cr in der Strukturformel idiochromatisch grün gefärbt, (sehr selten).
Eine Eigenschaft der Granate muss noch erwähnt werden, die diese Gruppe so vielseitig aber auch schwierig macht, zumindest wenn man an den Edelsteinsektor denkt. Sie mischen miteinander, innerhalb bestimmter Gruppen sogar in jedem beliebigen Verhältnis. Vollkommene Mischbarkeit besteht z.B. zwischen der oben erwähnten aluminiumhaltigen Pyrop-Almandin-Spessartin (Pyralspite) Reihe oder den calciumhaltigen Uwarowit-Grossular-Andradit Granaten (Ugrandite). Aber auch zwischen diesen beiden Gruppen kann es bis zu einem gewissen Prozentsatz zu Mischkristallisationen kommen.
So sind z.B. Rhodolite Pyrop-Almandin-Mischkristalle, die auch Spessartin und/oder Grossularanteile enthalten können. Einen Spessartin in der Idealform als reinen Mangan-Granat wird es in der Natur gar nicht geben. Er wird immer Bestandteile anderer Grante wie Almandin, Pyrop oder Grossular enthalten. Je schöner ein als Spessartin angebotener Stein orange daher kommt, desto mehr Mangananteile hat er, wie die ‚Mandarin-Granate’ aus Namibia eindrucksvoll zeigen. Je mehr der Stein ins Rote abdriftet, desto weniger ist er eigentlich ein Spessartin. Im Handel wird aber die Bezeichnung Spessartin oft etwas weit gefasst. Malaya-Granate z.B. sind eine Mischung aus Spessartin und Pyrop, bei der der der Spessartinanteil eher gering ist.
Viele Granate sind eigentlich farblos. So sind Grossulare, wie man an der Formel unschwer erkennen kann, an sich farblos. Weder Calcium noch Aluminium sind geeignete Elemente, um Farben zu erzeugen. Das trifft sogar auf den ach so tiefroten Pyrop zu, der in der Strukturformel Aluminium und Magnesium enthält, die auch keine Farben bringen. All Die Farben kommen vielmehr von Beimischungen mit Fe, Mn, F, Cr, V, sind also allochromatisch bedingt. Im Gegensatz dazu enthält z.B. der Spesartin das färbende Mangan in seiner Strukturformel, oder der Almandin das Eisen. Diese Granate sind idiochromatisch, d.h. aus sich selbst heraus, gefärbt, was aber nicht heißt, dass nicht auch andere Spurenelement zu ihrer Farbe beitragen können.
Zum weiteren Studium sei das LAPIS-Extra Heft No 9 ‚Granat’ empfohlen, dessen Inhalt auch bei dem hier vorgestellten Text Pate stand. Dieses Heft ist jedem empfohlen, der sich mit dem ‚Granat’ näher beschäftigen möchte.
